[…] aber im Sachthema ist es richtig, dass England Europameisterin geworden ist;
Nein, ist es nicht und ich versuche das mal kurz zu erklären

Sorry
@Montfort, dass ich ausgerechnet dich zitiere, es haben hier in den letzten Tagen viele so gesagt, aber dein Beitrag ist halt der aktuellste.
Zuerst möchte ich mal anmerken, dass ich kein Germanist oder Philologe bin, sondern Naturwissenschaftler. Daher habe ich auf diesem Gebiet auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und freue mich daher auch über Richtigstellungen. Beispielsweise habe ich erst kürzlich gelernt, dass der Singular von Trümmer das Trumm ist. Man lernt also nie aus und das ist ja auch gut so.
Jetzt zum Thema und einem vermeintlichen Missverständnis: Nachdem hier die (sozialen) Geschlechter hitzig diskutiert wurden, ist das grammatische Geschlecht (das Genus) bislang unerwähnt geblieben.
Dabei gibt es in der deutschen Sprache viele Eigenheiten und viele Möglichkeiten, Fehler zu machen.
Warum ist
der Tisch maskulin,
die Tür feminin und
das Sofa neutral?
Es ist historisch gewachsen und lässt sich heute leider nicht mehr aus den Wörtern ableiten und das jeweilige Genus eines Substantivs muss erlernt werden. Werden hier nicht die entsprechenden Artikel oder Pronomen benutzt, klingt das seltsam und ist natürlich grammatikalisch falsch. Und besonders Personen, für die Deutsch eine Fremdsprache ist, fällt dieses Thema besonders schwer.
Sobald man aber alle seine Vokabeln gelernt hat und jedem Substantiv den korrekten Genus zuordnen kann ist aber alles ganz einfach, oder? Nein, denn insbesondere wenn das Genus mit dem sozialen oder biologischen Geschlecht in (einen vermeintlichen) Konflikt gerät kann es kniffelig werden.
Das Paradebeispiel ist
das Mädchen. Das Genus ist neutral, aber das Genus der bezeichneten Person ist feminin (Genau genommen ist es das Sexus).
"Da hinten geht ein Mädchen, es ist sehr freundlich."
Das Personalpronomen "es" bezieht sich auf
das Mädchen. Der Satz ist so korrekt.
Wen die "Entsexualisierung" durch das Neutrum
das Mädchen stört, könnte z.B. sagen:
"Das Mädchen da hinten heißt Andrea. Sie ist sehr freundlich."
Jetzt bezieht sich das Personalpronomen "sie" auf die Person Andrea, die ein feminines Genus besitzt.
Ein anderes Beispiel ist
die Geisel. Das Genus ist feminin.
"Die Geisel ist in Gefahr. Sie heißt übrigens Max Mustermann."
Man kann den gleichen Trick anwenden wie beim Mädchen:
"Die Geisel heißt Max Mustermann. Er ist in Gefahr."
Kommen wir zurück zur Europameisterschaft.
Das England. Genus neutral. England kann daher nur Meister werden.
Wie hier auch schon erwähnt wurde, besitzt
die Niederlande ein feminines Genus. Sie kann also nur Meisterin (bzw. Verliererin) werden. Auch wenn Männer spielen.
Es ist das Gleiche wie bei Parteien (
die Partei, feminin). Die SPD ist die Wahlsiegerin mit Olaf Scholz an der Spitze.
Sogar die hypothetische Partei der alten weißen Männer, in der keine Frau Mitglied ist, wäre Wahlsiegerin oder Wahlverliererin.
Oder bei Schiffen.
Die Titanic wurde von einem Mann am Steuer vor einen Eisberg gesetzt. Möglicherweise war sogar die gesamte Mannschaft männlich. (Wenn es den Begriff Frauschaft jetzt gibt, handelt es sich bei "männliche Mannschaft" übrigens um einen Pleonasmus

).
Diese Beispiele hier haben eigentlich gar nichts mit der gendergerechten Sprache zu tun. Von daher sollte aufgepasst werden, dass es in einem Anflug von Übereifer nicht vermischt wird.
Wenn ich aus vermeintlichem Gerechtigkeitssinn jetzt "Mitglieder:innen" schreibe, dann wäre das zum Beispiel Quatsch.
Das Mitglied hat nämlich bereits ein neutrales Genus. Genau so wenig ist es möglich, dass ein Land eine Meisterin sein kann.