Ich finde schon mal ganz gut, dass das Robert-Koch-Institut keine verwirrenden Pressekonferenzen mehr abhält und Meister Wieler seit Donnerstag urplötzlich auf Tauchstation gegangen ist. Das ist kein sog. Fingerpointing sondern ich fand die Meldungen des RKI schon von Beginn an (seit Wuhan) nicht überzeugend. Da gleichzeitig mehrere andere hochangesehene Leute genau das Gegenteil gesagt hatten - die zudem auch immer überzeugender argumentierten. Und leider auch traurige Bestätigung bekamen. Auch ein Shutdown wurde schon sehr viel früher gefordert aber eben nicht vom RKI.
nicht verwunderlich, dass ich da eine etwas andere Meinung habe. Zum einen, ja, das RKI hat sich, wie auch das WHO oder auch dein zitierter Prof. Drosten (hör dir mal die Podcasts von Ende Februar an) die Ausbreitungsgeschwindigkeit falsch eingeschätzt und sicher muss sie sich fragen lassen, warum man nicht frühzeitiger Maßnahmen wie bsp die Austiegskarte eingeführt hat (und mal Frage in die Runde: welches westliche Land hat das Virus denn richtig eingeschätzt? Mir fällt keines ein). Trotzdem finde ich die RKI Pressekonferenzen überhaupt nicht verwirrend, man muss halt nur zuhören. Nervend war allerdings, dass das RKI JEDES mal aufs neue erklären musste, wie die RKI Zahlen zu interpretieren sind, wie sie zustande kommen und warum sie anders sind als die von anderen Quellen. Ebenso der Hinweis, dass das RKI auch die anderen Quellen berücksichtig und diese auch nicht als falsch einschätzt. Aber der Focus-Autor hat es offenbar immer noch nicht gecheckt, wenn man sich den Artikel durchliest.
Der leistet sich einige Fehler, die man selbst als Laie erkennt, wenn man die RKI Pressekonferenzen mitverfolgt hat.
Zitat:
23. März: Das RKI sorgte für Verwirrung bei den Corona-Zahlen. Das Institut hatte zu niedrige Infektionszahlen vermeldet, weil einige Gesundheitsämter trotz Coronakrise ganz ungerührt ins Wochenende gingen. Diese fehlenden Zahlen hatten den RKI-Chef wohl dazu bewogen, von einem „ersichtlichen Trend“ zur Abflachung der exponentiellen Wachstumskurve der Erkrankungen zu sprechen.
25. März: Keine Abflachung in Sicht, bei der Pressekonferenz sagte Wieler: „Wir stehen am Anfang der Epidemie.“ Und: „Es ist noch völlig offen, wie sich die Epidemie entwickelt.“
Ich habe beide Pressekonferenzen gesehen. Der RKI Chef hat NICHT von einen „ersichtlichen Trend“ gesprochen, sondern ausdrücklich darauf hingewiesen, dass aufgrund des Wochenendes nicht alle Zahlen gemeldet wurden und man daher bis Mittwoch warten muss, um zu sagen, ob es einen Trend gibt. Er sei „vorsichtig optimistisch“
Ich frage mich, ob der Focus das bewusst falsch darstellt? ich mein, jeder kann nachschauen, die Pressekonferenz ist online. Ich habe sie hier selbst verlinkt mit der Zeitangabe, wann er sich dazu äußert.
Zweitens, keine Abflachung in Sicht? Das RKI sagte „der exponentielle Verlauf hat sich abgeschwächt“. Vielleicht hat der Focus nicht in der 10. Klasse aufgepasst, aber genau das ist korrekt. Der Exponent ist gesunken, dass kann jeder nachrechnen. Mehr hat das RKI nie behauptet.
Und zu guter letzt wird das RKI kritisiert, weil es von Epidemie und nicht von Pandemie spricht? ähh, wir haben eine Epidemie in Deutschland, und genau darum geht es. Und das RKI sagt ebenso JEDE Pressekonferenz, dass wir erst am Anfang einer Epidemie stehen.
Ich habe noch nie viel vom Focus gehalten, aber der Artikel bestätigt mich aufs neue, dass man dem Focus nicht trauen kann und man eher auf die Primärquellen zurückgreifen sollte.