Vielleicht sollte man einfach unsere Sprache dahingehend umstellen, dass die generische Form immer sächlich sein muss, als den Artikel "das" vorangestellt bekommt.
Würde man eine Sprache künstlich von Grund auf entwickeln, könnte man sowas tatsächlich ganz einfach berücksichtigen. Während sich unsere Sprache mit der Zeit entwickelt hat, schienen das grammatische Geschlecht (Genus) und das natürlich Geschlecht (Sexus) in keinem Konflikt zu stehen.
Warum heißt es:
Der Löffel
Die Gabel
Das Messer
Was macht den Löffel so männlich und die Gabel so weiblich? Nichts natürlich, es sind einfach nur die grammatischen Geschlechter und niemand sieht darin (derzeit) einn Konflikt. Es sind aber alles drei Gegenstände und besitzen ein neutrales Sexus und sollten eigentlich auch ein neutrales Genus besitzen, also sachlich sein.
Auch wenn Genus und Sexus bei Personen im Gegensatz stehen, führt das nicht immer zu Konflikten. Ein Mann wrd sich nicht beschweren, wenn er als Persönlichkeit bezeichnet wird (Die Persönlichkeit, feminin). Eine Frau nicht, wenn sie als Mensch bezeichnet wird (Der Mensch, maskulin).
Auch der Satz: "Siehst du das Mädchen da vorne stehen?" Bezeichnet eine weibliche Person mit einem neutralen Wort (Das Mädchen, neutrum).
Oder: Die Bank würde überfallen. Es wurde eine Geisel genommen, sie heißt Max Mustermann. Hier ist die Geisel (feminin) eine männliche Person.
Bei Gruppenbezeichnungen, wenn also das generische Maskulinum verwendet wird, scheint sich seit einiger Zeit hingegen ein Konflikt aufzutun. Dieser ist jedoch schwer zu lösen. Und zwar nicht nur wegen mangelnder Akzeptanz, sondern auch in der Frage, wie man das tun soll. Unsere Sprache ist nicht darauf ausgelegt, das Genus und Sexus im Einklang sein müssen. Also muss ein "Workaround" her und das sind zurzeit Doppelpunkt und Sternchen. Vorher gab es schon den Unterstrich, das Binnen-I, usw. Und es ist auch ziemlich klar, dass Doppelpunkt und Sternchen nicht das Ende der Fahnenstange sind, da das eigentliche Problem gar nicht gelöst wurde.
Mit diesem aktuellen Workaround können auch sehr komplizierte Probleme entstehen. Ein schönes Beispiel ist dafür der herkömmliche Bürgermeister, der in dieser Debatte schon als "Bürger:innen:meister:in" bezeichnet wurde. Das Stadtoberhaupt kann in dem Begriff m,w,d sein und Bürger vertreten, die m,w,d sind. Wenn es sich aber um konkrete Fallbeispiele handelt (in theoretischen kleinen Gemeinden, in denen es nur männliche oder weibliche Bürger gibt, dann gäbe es:
Bürgermeister
Bürgermeisterin
Bürgerinnenmeister
Bürgerinnenmeisterin
Hier können jetzt noch weiter mit Doppelpunkt/Sternchen Diverse mit einbezogen werden und auf einem möglichen Kongress können sich dann auch noch die Plurale aller Versionen treffen.
Das ist natürlich ein konstruiertes Beispiel, aber gerade bei solchen Verwaltungsbezeichnungen/Ämtern tritt das natürlich tatsächlich auf.
Es gibt Empfehlungen, in solchen Wortbildungen die Erstbestandteile nicht zu gendern, eben aufgrund der Übersichtlichkeit. Dann hieße es Bürgermeister:innen, aber somit wären wir ja wieder beim ursprünglichen Problem angekommen: Wen sollen die Bürgermeister:innen denn vertreten? Na, die Bürger, also ein generisches Maskulinum.
Die beste Lösung für dieses (spezielle) Problem wäre es, meiner Meinung nach, einen anderen Begriff zu wählen, wie z.B. "das Stadtoberhaupt". Aber das ist natürlich nicht in allen Fällen so einfach möglich.