Auch wir hier in Deutschland haben mittlerweile viele Gründe zum Trauern.
Ich erlaube mir, dich zu zitieren.
Du hast vollkommen Recht, auch wir Deutsche und Europäer haben Grund zur Trauer, seit Jahren schon.
Dennoch glaube ich, dass schreckliche Taten und deren Folgen nicht miteinander anhand der Gewichtung verglichen werden sollten.
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Zunächst mal ist die Gesetzeslage in den USA speziell im Bereich von Schusswaffen je nach Bundesstaat vollkommen unterschiedlich.
Nicht alle Amerikaner lieben Waffen, genau wie nicht alle Amerikaner dick sind und Donald Trump wählen.
Innerhalb der USA als Land bilden vor allem die Bundesstaaten unsichtbare Grenzen. Und diese Grenzen sind teilweise so hoch (im übertragenen Sinn), dass wenn man aus San Francisco kommend in Miami landet meint, man sei in einem anderen völlig anderen Land.
Ich habe etwa 12 Jahre meines Lebens an der Westküste verbracht und kann ohne Ausnahme niemanden aus dem Freundes- und Familienkreis nennen, der Waffen toll findet, noch selbst welche besitzt.
Es ist ein gewisses Klientel, das Waffen bis auf ihr eigenes Blut verteidigt.
Unter anderem historische Gründe führten dazu, dass sich Weiße bewaffneten, und Schwarze irgendwann auch (Kurzfassung; ohne tiefere Hintergründe).
Der „Weiße“ (Anm. Ich spreche nie von „allen“ Weißen oder allen Schwarzen) hat ein von Grund auf großes Misstrauen gegenüber alle denen, die sie in irgendeiner Form in ihrem persönlichen Freiheitsgefühl vermeintlich beschneiden wollen.
(Freiheit hat in den USA eine etwas andere Definition als zb in Europa oder Deutschland).
Und dann ist da noch die Sache mit den Einwanderern. Ganz ohne Wertung von meiner Seite ist es so, dass in vielen Großstädten bereits die bisherige Sprache „Englisch“ durch „Spanisch“ ersetzt wurde. Und das passt vielen Menschen nicht, egal ob sie Schwarz oder Weiß sind. Idealerweise ist der spanisch sprechende Mensch illegal in das Land gekommen, und das Bild vom potenziellen Verbrecher ist perfekt.
Entgegen einiger Berichte würde ich nicht sagen, dass all diejenigen Amerikaner, denen diese Art der Einwanderung missfällt, Rassisten sind. Es sind die Menschen wie oben genannt, die ihr persönliches Freiheitsgefühl beschnitten sehen, weil jemand kommt, der dort eigentlich nicht sein dürfte.
Über allem gesehen sind räumliche Trennungen von Rassen in den gesamten USA derart ausgeprägt, die kein Europäer, der im Moment ernsthaft Angst vor etwas hat, wollen könnte.
Mir mir ist in D (um die Kurve zu kriegen), keine Stadt bekannt, in denen ich als Mensch egal welcher Rasse nicht reinlaufen, fahren oder überhaupt nicht betreten dürfte, weil ich aus einem anderen Land stamme, oder eine andere Hautfarbe besitze. Ich garantiere alle denjenigen, die noch nicht in den USA gewesen sind, dass das dort ein vollkommen gewöhnlicher Zustand ist. Gegenden, in denen Polizisten Touristen anfangen, die sich verfahren, oder Orte, an denen keine Polizei alleine hineinfährt.
Und wir speziell hier in D sind davon glücklicherweise ganz weit entfernt. Meine Hoffnung beruht auch darauf, niemals eine derart Angst-schürende Regierung zu haben, wie anderswo.
Diese Anschläge gibt es in den USA beinahe monatlich, mit dem Unterschied, dass man in D meistens erst darüber berichtet, wenn mehr als 7 Personen getötet werden. Speziell in „düsteren“ Gegenden ist sowas zum Teil noch an der Tagesordnung. Und wen soll es aus Sicht der Medien interessieren, ob in einem Ghetto im Süden drei Gangmitglieder erschossen werden.
Wie sähe die Lösung aus?
Gute Frage. Eventuell wäre eine personenbasierte Registrierung aller Waffen ein Anfang. Viele Morde geschehen mit Waffen, die offiziell niemandem gehören bzw. dem gehören, der sie eben benutzt. Dazu müssten vereinheitlichte Gesetze zu gewissen Themen her, die grundsätzlich und landesweit den Umgang mit Waffen regeln. Mit Sicherheit ist das nicht die effektivste Lösung, aber mal ein Anfang und ein erkennbares Signal, diesem Missstand überhaupt entgegen zu treten.
Die Waffen einfach wegzunehmen hätte ungefähr den gleichen Effekt wie bei uns in Bayern den Leuten das Bier zum Essen zu verbieten. Es würde trotzdem gemacht werden, egal ob es verboten ist. Schließlich war das schon immer so und jeder darf Bier trinken.
P.s. Es gibt ja Politiker in D, die vergleichen derzeit die Waffengewalt in den USA mit dem fehlenden generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Das ist nicht nur deplatziert und unsachlich, sondern tatsächlich vollkommen abwegig und nirgends ernsthaft vergleichbar. Klingt für den ein oder anderen halt gut.