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HALLO, es ist mal wieder soweit, die Psychoakustik fordert ihren Tribut. Nachdem ich im ersten Zuge die Zusammenhänge zwischen Lautheit und Lautstärke geklärt habe, möchte ich nun einen weiteren Schritt in die Richtung der Psychoakustik gehen. Heute versuche ich euch den Residualeffekt zu näher zu bringen.
Zunächst hier der obligatorische Wikipedia Artikel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Residualton schrieb:Residualton oder Residuum, von lat. residuum = Rest, ist ein von F. J. Schouten eingeführter Begriff für die der Frequenz des Grundtons entsprechenden Tonhöhenwahrnehmung (Tonhöhe), die bei Residualklängen, also solchen Klängen auftritt, deren Grundton im Schallspektrum nicht vorhanden ist.
Und jetzt der lange Weg der Erklärung des Ganzen:
Residual meint die Fähigkeit unseres Gehirnes beziehungsweise Ohres, zu einem vorhandenen Klangmaterial, bei dem der Grundton fehlt, diesen hinzu assoziieren zu können.
Der Grundton:
Er wird auch Grundfrequenz genannt und bezeichnet den tiefsten Ton eine Tongemisches. Ein Klang, etwa das Schwingen einer Klaviersaite, besteht aus vielen einzelnen Frequenzen. Der Grundton ist von diesem Klang aus betrachtet einfach nur der tiefste. Schlage ich beispielsweise ein A (der Kammerton) an, schwingt die tiefste Frequenz, die wir hören, munter mit 440Hz vor sich hin.
Alle anderen Töne dieses Tongemisches machen dann den Klang aus. Es könnte zum Beispiel noch ein Ton bei 1245Hz dabei sein. Denn ein Tongemisch, welches manchmal eben auch gerne als Klang bezeichnet wird, besteht aus vielen kleinen, einzelnen Sinus-Schwingungen. Für die Wissbegierigen, Jean Baptiste Joseph Fourier hat diese Behauptung aufgestellt und mathematisch bewiesen.
GUT, wir wissen also jetzt, dass ein Klang aus vielen einzelnen Schwingungen besteht. Also zurück zum Residualeffekt.
Unser Ohr kann also, sofern der Grundton fehlt, sich vorstellen wie dieser Klang sich ursprünglich anhörte.
Ein Beispiel aus dem täglichen Leben:
www.team-buero.org/documents/2LrmimBro_000.pdf schrieb:Die menschliche Stimme hat eine Frequenz von 85 bis 12.000 Hertz.
Bereits in dem Artikel über Lautstärke und Lautheit habe ich das Beispiel des Telefons eingeführt. Das Telefon überträgt ja nur Frequenzen von ca. 300 bis 3.000 Hertz. Der Grundton der menschliche Stimme liegt aber etwas unter 300 Hz.www.team-buero.org/documents/2LrmimBro_000.pdf schrieb:Am empfindlichsten ist das menschliche Gehör für Schall in der Frequenz von 2.000 bis 5.000 Hertz.
Das Telefon macht sich auf natürliche Weise den Residualeffekt zu Nutze, um uns vorzugaukeln, wir würden das komplette Frequenzspektrum wahrnehmen, obwohl das gar nicht tut. Hört am besten mal bei eurem nächsten Telefonat etwas genauer hin. Da fehlt echt ne Menge.
Ein weiteres Beispiel, bei dem der Residualeffekt, meiner Meinung nach, angewendet wird: Beim Mixing von Musik!
Bei einem guten Mix ist es immer wichtig das ganze vorhandene Klangmaterial, Gitarren, Stimme etc. aufzuräumen und frequenztechnisch auf ihren Platz zu verweisen, damit sie Durchsetzungskraft bekommen und der Hörer alles gut versteht. Ein aufgeräumter Bassbereich ist dabei das A und O.
Bassbereich? Das klingt doch schon wieder so nach Telefon...Ja tut es! Wenn man sich mal vor Augen führt, dass die Grundfrequenzen (leider) (fast) alle im unteren Mittenbereich liegen, also so um die 200 bis 500 Hertz, ist es schon recht sportlich immer den richtigen Konsens zu finden, welches Instrument bei einer bestimmten Frequenz Priorität gegenüber dem anderen hat und man das "nicht so wichtige" in den Hintergrund schiebt, zum Beispiel durch weglassen der Grundfrequenz.
Man könnte auch darüber nachdenken DAS Wichtigste Instrument eines Mixes, die menschliche Stimme, also den Sänger, in der Frequenz so zu beschneiden, dass sein Grundton wegfällt. Hört euch doch einfach mal ein bisschen was von diesen diversen Rockscheiben dort draußen an. Die machen das ziemlich gern. Natürlich muss es auch zum Stil der Musik passen! Bitte vergesst das nicht.
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