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"Ich hör doch was ich hör!" Teil 3
Hallo liebe Leser,
Nachdem wir uns die letzten beiden Male mit dem Hören beschäftigt haben möchte ich die Serie nun in eine dritte Runde schicken. Heute beschäftigen wir uns mit Lautstärke und Lautheit bzw. allgemein mit der Frage. Wie laut hören wir?
Zunächst dürfte es die meisten wohl erstmal wundern das ich zwei Begriffe hier einführe. Lautstärke und Lautheit...ist das nicht das selbe?

Nein das ist es leider(???) nicht.
Was ist dann Lautstärke?
Lautstärke bezeichnet in der Tontechnik ein Signal dessen Pegel anhand gewisser messbarer Kennmerkmale abgetastet wird. Ganz einfach gesagt. Wir haben doch sicher alle schonmal eine Stereoanlage gesehen auf der diese lustig zitternden Anzeigen zu finden sind. Wieviel Bass gerade vorherrscht oder wieviele Mittenfrequenzen mir gerade um die Ohren fliegen.
Vielleicht kann man sich auch aus dem ein oder anderen Musikvideo erinnern in dem eines dieser grossen Mischpulte gezeigt wird auf dessen Oberfläche diese LED-Ketten umher flimmern.
In Wirklichkeit ist es aber so, dass wir Menschen diese schnelle, ruckartige Lautstärkeänderung nicht wahrnehmen können.
Ein kleines Beispiel aus dem wahren Leben.
Es gibt Signale die so kurz und gleichzeitig so laut sind das Mensch sie nicht wahrnehmen können.
Wir stellen uns eine Fabrikhalle vor. Dort liegt eine grosse Metallplatte. Schlägt man mit einem Hammer auf diese Platte wird ein Ton erzeugt der so "Spitzpegelig" ist das es uns das Trommelfell davon zerreissen kann. *Uff*

Hört ihr mich noch?
Gut. Dann lasst uns doch weiter machen. Wie ist die Lautstärke denn nun eigentlich definiert?
Das bringt uns doch schon ein Stückchen weiter. Aber noch besser wird es wohl durch folgende Grafik:Wikipedia schrieb:Der Lautstärkepegel ist ein Vergleichsmaß. Er beschreibt, welchen Schalldruckpegel ein Sinuston mit einer Frequenz von 1000 Hz haben müsste, damit dieser genauso laut empfunden wird wie der betrachtete Schall.

Entnommen Wikipedia
Diese schönen Kurven nennt man auch "Kurven gleicher Lautstärke".
Was bedeuten sie?
Die Kurven gleicher Lautstärke sind eigentlich schnell erklärt. Wir nehmen uns einfach die unterste (die schwarze) vor und beginnen unsere Betrachtung bei 2kHz. Dort sieht man das der Schalldruckpegel wohl ungefähr 0 dB (für die Fanatik dB SPL) sein dürfte. Diese unterste Kurve nennt man auch Hörschwelle. Dort fangen wir an zu hören. Diese Kurve ist benannt 3 phon.
Folgen wir der "3 phon"-Kurve Richtung Bassbereich. Also etwa bei 50 Hz (0,05kHz) erreicht der Lautstärkepegel bereits 40 dB an Schalldruck. Ich wiederhole mich: DAS IST DIE HÖRSCHWELLE. Wir hören laut dieser Grafik einen 50 Hz Sinus erst sobald er 40 dB laut geworden ist.Wikipedia schrieb:Das Phon ist die Maßeinheit der psychoakustischen Größe Lautstärkepegel. Neben der Lautheit in Sone wird der Lautstärkepegel in Phon dazu benutzt, die empfundene Lautstärke zu beschreiben, mit der ein Mensch ein Schallereignis als Hörereignis wahrnimmt.
Am empfindlichsten hören wir Menschen im Mittenband. Also so etwa von 300 bis 5.000 Hz. Das ist auch nicht verwunderlich. Das ist auch der Hauptaktionsteil unserer Stimme. Telefone etwa arbeiten sogar nur mit einer Frequenz von ca. 300 Hz bis 3.000 Hz. Ich freue mich immer wenn ich einen Anruf bekomme und mich derjenige freudig mitteilt:
Kollege schrieb:Ey magste mal mein' neuen Track hören?
Und schön "dröhnt" es mir um die OhrenZettt schrieb:Klar. Schickst nen mir vorbei oder...
Kollege schrieb:...und geil oder?
*SCNR*Zettt schrieb:Hat bisschen wenig Bass findest nicht?
Zurück zum Thema. Auf der anderen Seite fallen die Kurven ebenfalls wieder ab. Zu den Höhen hin hören wir ebenfalls wieder schlechter. Schade.
Wir wissen also jetzt, das wir Menschen bei verschiedenen Frequenzen unterschiedlich laut hören.
Was hat das mit dem Eingangs erwähnten LED-Zappel-Meter zu tun?
Das träge Menschenohr kann die Lautstärkeänderung nicht wahrnehmen. Also muss es doch irgendwas geben was dies letztendlich doch mal sichtbar macht. Kennt ihr noch diese alten sogenannten "VU-Meter"? Nochmal die Mischpulte...dort sind sie meist eingebaut. Anstatt eine LED-Meters benutzt man aber einen Zeiger der in der Mitte festgemacht ist. Ähnlich der Geschwindigkeitsanzeige in einem Auto. Treffender Vergleich übrigens. Ein Auto kann auch nicht innerhalb von "sofort" auf 0 km/h abbremsen. Und ähnlich ergeht es unserem Ohr. Es bildet sozusagen einen Mittelwert des gerade vorherrschenden.
Technisch ist es so, dass diese VU-Meter technisch gewisse Vorschriften über "Hin- und Rücklaufzeit" (es dauert aber einige Millisekunden, bis wir überhaupt mal etwas hören

Um es aber kurz zu machen. Dieses VU-Meter zeigt das an, was wir Menschen wirklich hören - rein lautstärkemässig. Man sagt auch oft es würde den "Durchschnitt" zeigen.
Technische Bedeutung
Darauf möchte ich in einer späteren Ausgabe meiner Aufgabe "Tontechnik für Anfänger" näher kommen. Es ist so, dass man versucht die Durchschnittslautstärke, auch RMS genannt, hoch zu "bekommen" um beim "Kunden" lauter anzukommen bzw. besser verstanden zu werden. Doch mehr ein andermal...