Mein persönliches Resümee
Mein persönliches Resümee nach einem Wochenende der Erkundung fällt durchwachsen aus:
Die ersten Stunden ist man begeistert und staunt, was es wohl alles geben mag, im Second Life. Hat man den Enführungspfad durchlaufen, verfügt man zumindest schon über die "Basics" der Bedienung seines Avatars. Und so verbringt man die nächste Stunde damit, seinem Avatar ein entsprechendes Aussehen zu verleihen. Das ist quasi "Barbie" für Erwachsene.
Danach geht es raus in die weite, virtuelle Welt. Und spätestens da setzt dann nach einiger Zeit Ernüchterung ein. Zumindest, wenn man sich für das "Basic Membership" entschieden hat und somit erstmal chronisch knapp bei Kasse ist. Abhilfe leisten hier u.a. sogenannte "Camping Chairs", die sich in diversen Casinos finden und die nach einem ganz einfachen Prinzip funktionieren: man setzt sich auf einen dieser Stühle und wartet. Denn pro verstrichene 10 oder 15 Minuten erhält man dann ein zwischen einem und fünf "Linden Dollars", die Währung in Second Life. Natürlich kann man auch reale Währung in Linden Dollar tauschen, allerdings scheint dies z.Zt. nur mit US Dollar möglich zu sein (und außerdem will ich ja möglichst kostengünstig zu meinem virtuellen Glück finden).
Second Life zeigt auf beeindruckende Weise, wie das uns bekannte WWW schon in ein paar Jahren aussehen könnte. Da gibt es je nach Aufenthaltsort gestreamte Musik, auf 3D Videowänden kann man sich Videos ansehen und auch (das soll hier nicht unterschlagen werden) ernsthafte, kommerzielle Angebote wie z.B. das hier erwähnte Apfelland gibt es. Zudem geben einige Bewohner des SL auch schon mal Live Konzerte oder laden zu Diskussionsrunden ein.
Und damit bin ich dann auch schon bei den Dingen, die mir persönlich auf den Zeiger gehen:
Zum einen stellt sich die Welt von Second Life sehr schnell als ein virtueller Rummelplatz dar, bei dem es einen Überschuß an Casinos und Sexshops zu geben scheint. Reich wird hier - wie auch im realen Leben - am Ende nur der Besitzer eines solchen Etablissements. Natürlich ist das nichts neues, das vorallem Sex und Glücksspiel im Weltweiten Datennetz wuchern. Warum sollte das hier anders sein?
Zum anderen ist da die Tatsache, das sich Second Life bei näherem Betrachten als eine 3D Version des Internet darstellt. Die Grundstücke kann man mit Webspace vergleichen, die jeweilgen Domizile als die eigentliche Internetseite, also den Content. Und da wird geworben und um Kunden gebuhlt, das sich die (virtuellen) Balken biegen. Von der Idee ein virtuelles, zweites Leben mit allem drumherum zu simulieren, ist Second Life in etwa soweit entfernt wie der KFC Uerdingen von der Champions League.
Es gibt Chat und Instant Messaging Funktionen, um sich mit Freunden auszutauschen und aus der anonymen IP Adresse eines Web Surfers wird ein "greifbarer" Avatar, den ich ansprechen oder auch berühren kann. Virtuell, aber immerhin. Nichts desto hält sich meine Begeisterung in Gerenzen, denn wirklich neu ist die (technische) Idee eines "3D Multi User Online Role Playing Games" nicht, wer schonmal einen Blick auf Everquest geworfen hat, weiß was ich meine.
Abschließend belibt für mich nur zu sagen: probiert es aus, macht Euch Eure einge Meinung. Für mich ist Second Life nur ein weiterer "Web 2.0" Hype, der seinem eigenen Anspruch nicht ganz gerecht wird.