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Hallo zusammen,
nachdem wir kürzlich das Thema schon gestreift haben, und ich diese nacht gegen halb 3 eine sehr ergiebige Diskussion zu dem Thema geführt habe, möchte ich gerne dazu anstoßen Eure Meinung zu Studiengebühren und deren Höhe mitzuteilen.
Ich fände das interessant mal zu hören wie andere Leute (die vielleicht schon mit dem Studium fertig sind), aus anderen Gegenden die Sache sehen.
Heute Nacht waren wir eigentlich alle der Meinung, dass Bildung gleichermaßen für alle zur Verfügung stehen sollte.
Naheliegend wäre also zu sagen, dass Bildung – auch universitäre – kostenfrei sein könnte.
Man könnte dann sein Fach unabhängig von den späteren Gehaltsaussichten wählen, weil man nicht gezwungen wird, Kredite zurück zu zahlen, außerdem könnte man ohne finanzielle Einbußen verschiedene Studiengänge ausprobieren bzw. das Fach wechseln wenn es einem partout nicht zusagt (für die finanzielle Betrachtung haben wir an der Stelle außer acht gelassen, dass einem z.B. durch eine längere Studienzeit von einem Jahr das Einkommen des regulär letzten Arbeitsjahres verloren geht (weil wir den Eintritt in die Rente i.d.R. am Alter und nicht an den gearbeiteten Jahren festmachen)).
Die Nachteile liegen leider genau so auf der Hand – Frau Nahles konnte 20 Semester Politologie studieren und der vielzitierte Maschinenbauer ist nach 15 Semestern an der Uni auch fit für's Grundstudium.
Aus eigener Erfahrung wusste ein Bekannter zu berichten, dass es außerdem viele Menschen gibt, die zulassungsbeschränkte Fächer (in dem Fall Medizin) studieren, weil sie im Wunschfach (Journalismus and er Henri Nann Schule (ich hoffe ich habe den Mann richtig geschrieben) noch keinen Platz haben, und von vornherein wissen, dass sie nach 2 Semestern aufhören werden. Damit werden denjenigen die gern Medizin studieren würden natürlich die Plätze genommen.
Um solche Dinge auszugleichen wurden ja dann die Studiengebühren eingeführt, und da fängt der Ärger an, denn manche Eltern können Studiengebühren und lebenshaltungskosten bezahlen, während es schon nicht ganz einfach ist in Hamburg oder München nur von Bafög ein Studium zu bestreiten. Es liegt also eine ungewollte Ungleichbehandlung vor.
Eine mögliche Lösung zu der wir kamen wäre diejenige, dass es Eltern verboten wird, die Studiengebühren zu zahlen. D.h. sämtliche Studenten müssen die Studiengebühren nach dem Studium (u.U. geringfügig verzinst) abbezahlen. Die Abbezahlung erfolgt so, dass dieser Kredit anteilig am Jahreseinkommen, sobald dieses eine Gewisse Schwelle überschreitet, zurückzuzahlen ist (um die unterschiedlichen Gehaltsaussichten der verschiedenen Berufsfelder auszugleichen, und so auch weniger Job-Orientierte Studiengänge nicht zu benachteiligen, und Grundlagenforschung zurück nach Deutschland zu bringen, und so den Wissenschaftsstandort Deutschland zu stärken).
Dadurch das die Gebühren pro Semester anfallen, überlegt man sich dann vielleicht auch statt eines Studiums aus Langeweile oder weil "man halt studiert" lieber Praktika zu machen, oder ein FSJ einzulegen.
Ganz kann man damit die Ungleichbehandlung auch nicht ausschließen:
Der "Druck" oder die Motivation die entsteht wenn man in dem Bewusstsein lebt, sein Studium bezahlen zu müssen (was sich ja faktisch nur darin auswirkt, dass der Sprung im Lebensstandard mit Eintritt ins Berufsleben in so drastisch ausfällt) kann natürlich wieder genommen werden, wenn man sicher ist, dass die Eltern ohnehin dafür aufkommen. Aber wir dachten dass es nicht zu leisten ist, das komplett zu verhindern.
Außerdem gibt es Ungleichbehandlungen bei den Lebenshaltungskosten, obwohl wir dachten dass es von 670€ Bafög schon deutlich realistischer ist, zu leben, und Literatur anzuschaffen (in knapp ausgestatteten Präsenzbibliotheken wie es sie an vielen Unis gibt meist unabdingbar). Man kann nicht jeden Abend Party machen, das ist klar, aber wir wollen ja eben weg vom Image des Faulenzenden Studenten.
Ein weitere Vorteil des System wirkt sich z.B. bei Jura-Studenten oder Promotionsstudenten aus:
Wenn man nicht unmittelbar nach Ende des Studiums in den Beruf einsteigt
Wie seht ihr das? Sollte es Studiengebühren geben? Sollte man die während des Studiums oder danach zahlen müssen?
Ich persönlich muss meine Studiengebühren auch leihen, und 10 Jahre lang 10% meines Bruttoeinkommens zurückzahlen, es sei denn ich erreiche schon vorher das inflationierte Doppelte der Gebühren (~100.000 Euro), und finde das eigentlich sehr gut, denn ich habe das Gefühl, ich habe etwas von den Gebühren, und außerdem habe ich mir vorher sehr gut überlegt ob ihc mein Fach tatsächlich studieren möchte, habe Vorlesungen angesehen und Praktika gemacht, und bin mir sicher, dass ich nicht bloß aus Langeweile studiere und so meine Lebenszeit verschenke.
Alles natürlich nur unter der Bedingung, dass die Gebühren nicht nach obskuren Schlüsseln umverteilt werden, und faktisch in der Verwaltung versickern.
Wie gesagt ich würde mich über andere, begründete, Meinungen und Ansichten freuen.
Cheerio
nachdem wir kürzlich das Thema schon gestreift haben, und ich diese nacht gegen halb 3 eine sehr ergiebige Diskussion zu dem Thema geführt habe, möchte ich gerne dazu anstoßen Eure Meinung zu Studiengebühren und deren Höhe mitzuteilen.
Ich fände das interessant mal zu hören wie andere Leute (die vielleicht schon mit dem Studium fertig sind), aus anderen Gegenden die Sache sehen.
Heute Nacht waren wir eigentlich alle der Meinung, dass Bildung gleichermaßen für alle zur Verfügung stehen sollte.
Naheliegend wäre also zu sagen, dass Bildung – auch universitäre – kostenfrei sein könnte.
Man könnte dann sein Fach unabhängig von den späteren Gehaltsaussichten wählen, weil man nicht gezwungen wird, Kredite zurück zu zahlen, außerdem könnte man ohne finanzielle Einbußen verschiedene Studiengänge ausprobieren bzw. das Fach wechseln wenn es einem partout nicht zusagt (für die finanzielle Betrachtung haben wir an der Stelle außer acht gelassen, dass einem z.B. durch eine längere Studienzeit von einem Jahr das Einkommen des regulär letzten Arbeitsjahres verloren geht (weil wir den Eintritt in die Rente i.d.R. am Alter und nicht an den gearbeiteten Jahren festmachen)).
Die Nachteile liegen leider genau so auf der Hand – Frau Nahles konnte 20 Semester Politologie studieren und der vielzitierte Maschinenbauer ist nach 15 Semestern an der Uni auch fit für's Grundstudium.
Aus eigener Erfahrung wusste ein Bekannter zu berichten, dass es außerdem viele Menschen gibt, die zulassungsbeschränkte Fächer (in dem Fall Medizin) studieren, weil sie im Wunschfach (Journalismus and er Henri Nann Schule (ich hoffe ich habe den Mann richtig geschrieben) noch keinen Platz haben, und von vornherein wissen, dass sie nach 2 Semestern aufhören werden. Damit werden denjenigen die gern Medizin studieren würden natürlich die Plätze genommen.
Um solche Dinge auszugleichen wurden ja dann die Studiengebühren eingeführt, und da fängt der Ärger an, denn manche Eltern können Studiengebühren und lebenshaltungskosten bezahlen, während es schon nicht ganz einfach ist in Hamburg oder München nur von Bafög ein Studium zu bestreiten. Es liegt also eine ungewollte Ungleichbehandlung vor.
Eine mögliche Lösung zu der wir kamen wäre diejenige, dass es Eltern verboten wird, die Studiengebühren zu zahlen. D.h. sämtliche Studenten müssen die Studiengebühren nach dem Studium (u.U. geringfügig verzinst) abbezahlen. Die Abbezahlung erfolgt so, dass dieser Kredit anteilig am Jahreseinkommen, sobald dieses eine Gewisse Schwelle überschreitet, zurückzuzahlen ist (um die unterschiedlichen Gehaltsaussichten der verschiedenen Berufsfelder auszugleichen, und so auch weniger Job-Orientierte Studiengänge nicht zu benachteiligen, und Grundlagenforschung zurück nach Deutschland zu bringen, und so den Wissenschaftsstandort Deutschland zu stärken).
Dadurch das die Gebühren pro Semester anfallen, überlegt man sich dann vielleicht auch statt eines Studiums aus Langeweile oder weil "man halt studiert" lieber Praktika zu machen, oder ein FSJ einzulegen.
Ganz kann man damit die Ungleichbehandlung auch nicht ausschließen:
Der "Druck" oder die Motivation die entsteht wenn man in dem Bewusstsein lebt, sein Studium bezahlen zu müssen (was sich ja faktisch nur darin auswirkt, dass der Sprung im Lebensstandard mit Eintritt ins Berufsleben in so drastisch ausfällt) kann natürlich wieder genommen werden, wenn man sicher ist, dass die Eltern ohnehin dafür aufkommen. Aber wir dachten dass es nicht zu leisten ist, das komplett zu verhindern.
Außerdem gibt es Ungleichbehandlungen bei den Lebenshaltungskosten, obwohl wir dachten dass es von 670€ Bafög schon deutlich realistischer ist, zu leben, und Literatur anzuschaffen (in knapp ausgestatteten Präsenzbibliotheken wie es sie an vielen Unis gibt meist unabdingbar). Man kann nicht jeden Abend Party machen, das ist klar, aber wir wollen ja eben weg vom Image des Faulenzenden Studenten.
Ein weitere Vorteil des System wirkt sich z.B. bei Jura-Studenten oder Promotionsstudenten aus:
Wenn man nicht unmittelbar nach Ende des Studiums in den Beruf einsteigt
Wie seht ihr das? Sollte es Studiengebühren geben? Sollte man die während des Studiums oder danach zahlen müssen?
Ich persönlich muss meine Studiengebühren auch leihen, und 10 Jahre lang 10% meines Bruttoeinkommens zurückzahlen, es sei denn ich erreiche schon vorher das inflationierte Doppelte der Gebühren (~100.000 Euro), und finde das eigentlich sehr gut, denn ich habe das Gefühl, ich habe etwas von den Gebühren, und außerdem habe ich mir vorher sehr gut überlegt ob ihc mein Fach tatsächlich studieren möchte, habe Vorlesungen angesehen und Praktika gemacht, und bin mir sicher, dass ich nicht bloß aus Langeweile studiere und so meine Lebenszeit verschenke.
Alles natürlich nur unter der Bedingung, dass die Gebühren nicht nach obskuren Schlüsseln umverteilt werden, und faktisch in der Verwaltung versickern.
Wie gesagt ich würde mich über andere, begründete, Meinungen und Ansichten freuen.
Cheerio